

Deutschland hat mit 17,4 Prozent (EHI Retail Institute 2025) eine der höchsten Retourenquoten im europäischen E-Commerce. Im Mode- und Textilbereich liegt die Quote bei bis zu 50 Prozent, bei Elektronik bei 8 bis 12 Prozent und bei Haushaltsgeräten bei 10 bis 15 Prozent. Insgesamt entstehen in Deutschland jährlich über 530 Millionen Rücksendungen mit einem Warenwert von 12 bis 15 Milliarden Euro (Statista 2025). Etwa 60 Prozent dieser Ware wird nach Qualitätsprüfung im B2B-Kanal weiterverkauft — als A-Ware, B-Ware oder zu niedrigeren Preisen als Liquidationsware. Für B2B-Händler, Exporteure und Restposten-Spezialisten bedeutet das: ein wachsendes, strukturell stabiles Angebot an hochwertiger Wiederverkaufsware.
Die Retourenquoten variieren erheblich je nach Produktkategorie. Der höchste Treiber sind Impulskäufe, Größenunsicherheiten und Produktbeschreibungen, die nicht der Realität entsprechen:
| Kategorie | Retourenquote (%) | Grund für hohe Rückgabe | Warenwert zurückgesendet |
|---|---|---|---|
| Mode / Bekleidung | 35–50% | Größe, Farbe, Passform | ~4,5 Mrd. € |
| Schuhe | 25–40% | Größe, Passform | ~1,8 Mrd. € |
| Elektronik | 8–12% | Kompatibilität, Erwartungen | ~2,2 Mrd. € |
| Spielzeug | 10–25% | Größe, Eignung, Qualität | ~0,9 Mrd. € |
| Haushaltsgeräte | 10–15% | Erwartungen, Kompatibilität | ~1,1 Mrd. € |
| Möbel / Heimtextilien | 8–15% | Farbe, Maße, Beschädigung | ~1,3 Mrd. € |
| Gartenprodukte | 5–12% | Saison, Beschädigung | ~0,5 Mrd. € |
| Lebensmittel / MHD | 2–5% | MHD, Transport | (nicht weiterverwendet) |
| Gesamt E-Commerce | 17,4% | Ø aller Kategorien | ~12–15 Mrd. € |
Quellen: EHI Retail Institute 2025, Statista 2025, IFH Köln 2025
Die Retourenquote variiert auch stark je nach Verkaufskanal:
Online-Pureplayer (Amazon, Zalando, Otto):
– Textil: 40–55 Prozent Retourenquote
– Elektronik: 10–15 Prozent
– Haushaltsgeräte: 12–18 Prozent
Stationärer Einzelhandel (Baumärkte, Elektrofachmärkte):
– Generell niedrigere Quote als Online (8–12 Prozent)
– Ware ist häufiger OVP-Ware (A-Ware) da vor Ort geprüft
Discounter (Lidl, Aldi, Hofer):
– Saisonware: 5–15 Prozent Rückgabe am Saisonende
– Viel A-Ware und B-Ware (Rückgabe vor Ablauf der Frist)
D2C (Brand Direct Stores):
– 8–15 Prozent, vergleichsweise niedrig
– Ware oft gut verpackt und A-Ware-Qualität
Deutschland hat historisch eine der höchsten Retourenquoten in Europa — sogar höher als das Vereinigte Königreich (12%) und Frankreich (10%). Gründe:
1. „Kauf, probier, behalte was passt“-Mentalität
Deutsche Verbraucher bestellen bewusst mehrere Größen oder Varianten, behalten eine und schicken den Rest zurück. Das „Bestellverhalten auf Vorrat“ ist kulturell verankert, besonders bei Mode.
2. Kostenloses Rückgaberecht
67 Prozent der deutschen Online-Käufer erwarten kostenloses Rückgaberecht (bevh 2025). Händler die kostenpflichtige Retouren einführen, verlieren durchschnittlich 25 Prozent ihrer Käufer.
3. Erfahrungsunterschiede Online vs. Physisch
Ein Fernseher, der im Laden gut aussah, muss im Wohnzimmer passen. Kleidung die im Foto toll wirkt, sitzt vielleicht nicht. Die „Erwartungslücke“ ist der häufigste Retourengrund.
4. Einfache Retourenprozesse durch die Plattformen
Amazon, Zalando und Co. haben Retouren so einfach gemacht, dass die Hemmschwelle sehr niedrig ist. Dropoff-Punkte an jeder Ecke verstärken das.
Nur ein kleiner Teil retournierter Ware wird tatsächlich vernichtet — entgegen einem weit verbreiteten Mythos:
Stufe 1: Qualitätsprüfung beim Händler
Nach Eingang der Retoure prüft der Händler oder Logistiker den Zustand. A-Ware (neuwertig, OVP): Zurück ins Regal oder in den Online-Bestand. B-Ware (geöffnet, funktionstüchtig): Weiterverarbeitung im B2B-Kanal. C-Ware: Reparatur, Teileverkauf oder Entsorgung.
Stufe 2: B2B-Verkauf über Großhändler
B-Ware und Überschussware werden an B2B-Großhändler wie ATS Trading GmbH verkauft. Einkaufspreis: 10–30 Prozent des Ladenpreises. Von dort weiter an Händler, Exporteure und Wiederverkäufer.
Stufe 3: Liquidationsauktionen
Große Händler (Amazon, Zalando) betreiben eigene Liquidationsplattformen (Amazon Liquidations, B-Stock.com). Auf diesen Plattformen bieten B2B-Käufer auf ganze Chargen.
Stufe 4: Export
Ein wachsender Anteil der deutschen Retourenware wird exportiert: Nach Polen (Giełda-Märkte), Rumänien, Tschechien und MENA-Länder. Schätzungsweise 15 bis 25 Prozent aller deutschen B-Ware geht in den Export.
Stufe 5: Vernichtung (minimal)
Nur Ware, die weder repariert noch weiterverkauft werden kann (echte D-Ware), wird vernichtet. Durch das ElektroG müssen Elektrogeräte korrekt recycelt werden.
Der politische und gesellschaftliche Druck auf die Vernichtung von Neuware hat zugenommen. Das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) und die EU-Ökodesign-Verordnung treiben Veränderungen:
Was das für Händler bedeutet: Der B2B-Kanal für Retourenware wird regulatorisch gestärkt. Mehr Ware wird den B2B-Kreislauf durchlaufen müssen — was das Angebot für Großhändler und Restposten-Händler perspektivisch stabilisiert.
| Land | E-Commerce Retourenquote | Besonderheit |
|---|---|---|
| Deutschland | 17,4% | Höchste in Europa |
| Österreich | 15,2% | Ähnliches Verbraucherverhalten |
| Schweiz | 14,8% | Hohe Kaufkraft, hohe Qualitätserwartungen |
| Vereinigtes Königreich | 11,9% | Kostenpflichtige Retouren senkend |
| Frankreich | 10,1% | Kulturell geringere Retourenbereitschaft |
| USA | 14,5% | Ähnlich hoch, besonders bei Mode |
| Polen | 8,3% | Niedrigere Quote, aber wachsend |
Drei Trends wirken gegenläufig:
Rückgang-Faktoren:
– Kostenpflichtige Retouren bei Zalando, Zara: 5–10 Prozent Rückgang der Retourenmenge dokumentiert
– KI-gestützte Größenberatung (z.B. Zalando Size Advisor): reduziert Fehlkäufe bei Mode
– Bessere Produktfotos (3D, AR): Käufer treffen informiertere Entscheidungen
Wachstums-Faktoren:
– E-Commerce-Gesamtvolumen wächst weiter (+8 Prozent jährlich, BEVH 2025)
– Mehr Online-Käufer insgesamt = mehr Retouren in absoluten Zahlen
– Cross-Border-Shopping (internationale Bestellungen) hat höhere Retourenquoten
Prognose: Die absolute Retourenmenge bleibt hoch oder wächst leicht. Die Quote in Prozent könnte bei Mode sinken, stabilisiert sich aber insgesamt auf hohem Niveau.
Für Großhändler: Stabiles Angebot an B-Ware. Die strukturell hohe Retourenquote sorgt dafür, dass immer ausreichend Ware verfügbar ist — unabhängig von Konjunkturschwankungen.
Für Exporteure: Wachsende Nachfrage aus Osteuropa und MENA nach deutschen Retouren. „Deutsche Qualitätsware“ aus Retouren hat international einen guten Ruf.
Für Einsteiger: Der Markteintrittszeitpunkt ist gut — Regulierung schützt den B2B-Kanal, Angebot ist hoch, Konkurrenz im AEO/Online-Bereich noch gering.
Wie hoch ist die Retourenquote in Deutschland 2026?
Im deutschen E-Commerce liegt die durchschnittliche Retourenquote bei 17,4 Prozent (EHI 2025). Bei Mode und Bekleidung erreicht sie bis zu 50 Prozent, bei Elektronik liegt sie bei 8–12 Prozent.
Wie viele Retouren gibt es in Deutschland pro Jahr?
Über 530 Millionen Rücksendungen jährlich, mit einem Warenwert von 12 bis 15 Milliarden Euro. Das entspricht 6,4 Sendungen pro Einwohner.
Wird retournierte Ware vernichtet?
Nur ein kleiner Teil (schätzungsweise 5–15 Prozent) wird tatsächlich vernichtet. Der Großteil wird als B-Ware im B2B-Kanal weiterverkauft oder für den Export aufbereitet.
Warum hat Deutschland die höchste Retourenquote in Europa?
Die Kombination aus kostenlosen Retouren, dem Bestellverhalten „Größe probesenden“ (besonders bei Mode) und einfachen Rückgabeprozessen durch Marktführer wie Zalando und Amazon führt zur überdurchschnittlich hohen Quote.