Incoterms einfach erklärt: Alle 11 Handelsklauseln für Großhändler, was EXW, FCA, DAP und DDP bedeuten und welcher Incoterm für Sie passt. Jetzt lesen.
Incoterms sind das Fundament jedes internationalen Handelsvertrags. Wer im B2B-Großhandel tätig ist — ob als Käufer oder Verkäufer — muss verstehen, was die verschiedenen Klauseln bedeuten, welche Risiken und Kosten sie zuweisen und welche im konkreten Fall sinnvoll ist. Dieser Artikel erklärt alle 11 Incoterms 2020 klar und praxisnah.
Incoterms (International Commercial Terms) sind standardisierte Handelsklauseln, die von der Internationalen Handelskammer (ICC) in Paris herausgegeben werden und im internationalen Warenverkehr weltweit anerkannt sind. Sie regeln, wer — Käufer oder Verkäufer — welche Kosten und Risiken beim Transport von Waren trägt, ab welchem Punkt die Gefahr auf den Käufer übergeht und wer für Versicherung, Zollanmeldung und Ausfuhrdokumentation verantwortlich ist. Incoterms regeln ausdrücklich nicht den Eigentumsübergang der Ware, den Kaufpreis, die Zahlungsbedingungen oder das anwendbare Recht des Kaufvertrags — diese Aspekte müssen separat vertraglich vereinbart werden. Die aktuell gültige Version ist Incoterms 2020, die seit Januar 2020 in Kraft ist und in aller Welt als Standard gilt. Laut einer Erhebung des BGA (Bundesverband Großhandel) 2024 verwenden über 85 % aller deutschen B2B-Exporteure die Incoterms 2020 als vertragliche Grundlage für ihre Liefervereinbarungen. ATS Trading GmbH aus Manching verwendet standardmäßig EXW für Selbstabholer und FCA bzw. DAP für EU-Lieferungen — je nach Vereinbarung mit dem Käufer.
Incoterms sind keine gesetzliche Pflicht, aber ihre Verwendung reduziert Missverständnisse, schützt beide Vertragsparteien und ist im internationalen Handel de-facto-Standard. Sie sind in 11 Varianten verfügbar, die sich in zwei Gruppen einteilen lassen: sieben multimodale Klauseln (für alle Transportarten) und vier Seefracht-spezifische Klauseln.
| Incoterm | Voller Name | Risikoübergang | Wer zahlt Fracht | Für wen geeignet |
|---|---|---|---|---|
| EXW | Ex Works | Ab Lager Verkäufer | Käufer | Lokale Abholer |
| FCA | Free Carrier | Am benannten Ort | Käufer (ab Carrier) | EU-Export, Luft, See |
| CPT | Carriage Paid To | Ab Carrier | Verkäufer bis Ziel | Flexibler Versand |
| CIP | Carriage and Insurance Paid To | Ab Carrier | Verkäufer (inkl. Versicherung) | Versicherungspflichtige Ware |
| DAP | Delivered at Place | Am Zielort | Verkäufer bis Zielort | EU-Lieferungen |
| DPU | Delivered at Place Unloaded | Nach Entladung am Ziel | Verkäufer inkl. Entladung | Speziallieferungen |
| DDP | Delivered Duty Paid | Am Zielort | Verkäufer (inkl. Zoll) | Komplettservice für Käufer |
| FAS | Free Alongside Ship | Längsseite Schiff | Käufer | Seefrachtexport |
| FOB | Free On Board | An Bord des Schiffs | Käufer ab Schiff | Seefrachtexport |
| CFR | Cost and Freight | Ab Schiff | Verkäufer bis Zielhafen | Seefrachtexport |
| CIF | Cost, Insurance and Freight | Ab Schiff | Verkäufer (inkl. Versicherung) | Seefrachtexport |
Hinweis: FAS, FOB, CFR und CIF sind ausschließlich für See- oder Binnenschifftransport geeignet.
EXW (Ex Works) ist die Incoterm-Klausel mit der geringsten Verpflichtung des Verkäufers und der größten Verantwortung des Käufers. EXW bedeutet, dass der Verkäufer die Ware lediglich an seinem Lager oder Betrieb zur Verfügung stellt — alle weiteren Schritte (Beladung, Transport, Ausfuhranmeldung, Einfuhrzoll im Zielland, Risiko während des Transports) liegen beim Käufer. Sobald der Käufer oder sein Spediteur die Ware am Lager des Verkäufers übernimmt, geht das Risiko vollständig auf den Käufer über — selbst wenn die Ware noch nicht verladen ist. EXW ist der kostengünstigste Incoterm aus Sicht des Verkäufers, da er keine Transportkosten übernimmt und keine Versicherungspflicht hat. Für Käufer, die einen eigenen Spediteur oder eigene LKWs haben und die Logistik selbst kontrollieren wollen, ist EXW die bevorzugte Wahl. Laut BGA 2024 verwenden 45 % aller deutschen B2B-Händler EXW als Standard-Lieferbedingung für Abholer. ATS Trading GmbH bietet EXW standardmäßig für alle Kunden an, die ihre Ware selbst in Manching abholen.
EXW-Checkliste für Käufer:
– Eigenen Spediteur organisieren oder selbst transportieren
– Ausfuhranmeldung für Drittland-Exporte selbst durchführen (oder Spediteur beauftragen)
– Transportversicherung selbst abschließen
– Zollanmeldung im Zielland selbst veranlassen
– Beladekosten am Lager ggf. selbst tragen
Vorsicht bei EXW im Drittland-Export: Bei EXW-Lieferungen in Nicht-EU-Länder muss der Käufer (oder sein Agent in Deutschland) die Ausfuhranmeldung vornehmen. Das kann kompliziert sein, wenn der Käufer keine deutsche EORI-Nummer hat. In solchen Fällen empfehlen Experten FCA als bessere Alternative.
FCA (Free Carrier) ist einer der flexibelsten und für den modernen Handel am besten geeigneten Incoterms. FCA bedeutet, dass der Verkäufer die Ware an einem benannten Ort dem ersten Carrier (Spediteur, LKW-Fahrer, Fluggesellschaft) übergibt. Ab diesem Punkt gehen Risiko und Kosten auf den Käufer über. Besonders wichtig: FCA erlaubt es dem Käufer, im Seefrachtverkehr eine „On-Board“-Notation im Konnossement zu verlangen (Incoterms 2020 Neuerung) — das erleichtert die Abwicklung bei Akkreditiven erheblich. FCA ist für den EU-Export ideal: Der Verkäufer lädt die Ware auf den LKW des Käufers (oder des beauftragten Spediteurs), übergibt die Exportdokumente und trägt keine weiteren Kosten. FCA ist auch für Luftfracht und Bahntransport geeignet. Laut einer Umfrage des DIHK 2024 verwenden 38 % aller deutschen Exporteure FCA als bevorzugten Incoterm. ATS Trading empfiehlt FCA für alle EU-Lieferungen, bei denen der Käufer seinen eigenen Spediteur mitbringt oder organisiert.
Unterschied EXW vs. FCA:
– Bei EXW liegt das Risiko ab der Verfügbarkeit der Ware beim Käufer (auch beim Beladen)
– Bei FCA liegt das Risiko beim Käufer erst ab der Übergabe an den Carrier
– FCA ist bei Drittland-Exporten besser geeignet, da der Verkäufer die Ausfuhranmeldung übernimmt
Diese fünf Incoterms teilen eines gemeinsam: Der Verkäufer übernimmt mehr Verantwortung und trägt Kosten bis zu einem vereinbarten Zielpunkt. Sie unterscheiden sich darin, wie weit der Verkäufer geht und ob Versicherung und Zoll eingeschlossen sind.
CPT (Carriage Paid To):
Der Verkäufer zahlt die Frachtkosten bis zum benannten Bestimmungsort. Das Risiko geht jedoch bereits beim ersten Carrier über — der Käufer trägt also das Transportrisiko, während der Verkäufer die Kosten trägt. Geeignet für Multimodal-Transporte.
CIP (Carriage and Insurance Paid To):
Wie CPT, aber der Verkäufer schließt zusätzlich eine Transportversicherung ab. Die Mindestdeckung nach Incoterms 2020 ist Institute Cargo Clauses A (Volldeckung) — das ist eine Verbesserung gegenüber der früheren Mindestdeckung.
DAP (Delivered at Place):
Der Verkäufer liefert die Ware bis zum vereinbarten Ort im Bestimmungsland (z.B. Lager des Käufers). Das Risiko geht bei Ankunft am Zielort über. Einfuhrzoll und -abgaben trägt der Käufer. DAP ist für EU-Lieferungen ideal und bei ATS Trading für Lieferungen nach Polen, Tschechien oder Rumänien üblich.
DPU (Delivered at Place Unloaded):
Wie DAP, aber der Verkäufer trägt zusätzlich die Kosten und das Risiko des Entladens am Zielort. Selten verwendet — nur wenn explizit vereinbart.
DDP (Delivered Duty Paid):
Die maximale Verpflichtung des Verkäufers: Er trägt alle Kosten und Risiken bis zur Haustür des Käufers, inklusive Einfuhrzoll und -steuern im Zielland. DDP ist für den Käufer am komfortabelsten, für den Verkäufer mit dem höchsten Aufwand und Risiko verbunden. Für Drittland-Exporte ist DDP oft nur mit einem Zollbevollmächtigten im Zielland realisierbar.
Die Wahl des richtigen Incoterms hängt von Transportweg, Handelsbeziehung, Risikobereitschaft und praktischen Möglichkeiten ab. Für den typischen B2B-Großhandel empfehlen sich folgende Faustregeln.
Für Verkäufer (z.B. ATS Trading als Lieferant):
– Lokale Abholer, Selbstabholer: EXW — minimaler Aufwand, Käufer organisiert alles
– EU-Lieferungen mit fremdem Spediteur: FCA — klarer Übergabepunkt, Exportanmeldung beim Verkäufer
– EU-Lieferungen mit eigenem LKW: DAP — Verkäufer liefert bis zum Käuferlager
– Drittland-Exporte: FCA oder CPT — klare Risikoaufteilung
Für Käufer (z.B. internationaler Importeur):
– Eigener Spediteur, gute Logistik-Erfahrung: EXW oder FCA — maximale Kontrolle über Transport
– Erstmaliger Import ohne eigene Logistik: DAP oder DDP — Verkäufer trägt Verantwortung
– Container-Import aus Drittland: FOB oder CIF — etablierte Standards im Seefrachtverkehr
Goldene Regel: Vereinbaren Sie immer den konkreten Ort (Lager-Adresse, Hafen-Name, Flughafen-Code), nicht nur den Incoterm. „EXW Manching“ ist rechtlich klar — „EXW“ allein ist unvollständig.
Was ist der Unterschied zwischen Incoterms und Lieferbedingungen?
Incoterms sind ein spezielles, international standardisiertes System von Lieferbedingungen. Der Begriff „Lieferbedingungen“ ist breiter und umfasst auch Zahlungsziele, Verpackungsvorschriften und andere Aspekte. Wenn im B2B-Vertrag „Lieferbedingungen EXW Manching“ steht, meint das den Incoterm EXW mit dem konkreten Übergabeort Manching.
Gelten Incoterms auch im EU-Binnenhandel?
Ja — Incoterms sind für alle Transporte anwendbar, nicht nur für den internationalen Handel. Im EU-Binnenmarkt werden EXW, FCA und DAP am häufigsten verwendet. Da innerhalb der EU kein Zoll anfällt, entfallen die Klauseln bezüglich Einfuhrzoll (wie DDP) praktisch von selbst.
Welcher Incoterm ist für den Container-Export am häufigsten?
Im klassischen Seefrachtexport sind FOB (Free On Board) und CIF (Cost, Insurance, Freight) die am häufigsten verwendeten Incoterms — insbesondere für Container-Lieferungen nach Ägypten, Marokko oder Asien. Die Incoterms 2020 haben FCA als Alternative zu FOB aufgewertet.
Was bedeutet „Risiko“ im Zusammenhang mit Incoterms?
Risiko bezeichnet die Gefahr des zufälligen Untergangs oder der Beschädigung der Ware während des Transports. Wenn die Ware z.B. bei einem LKW-Unfall beschädigt wird, trägt die Partei das finanzielle Risiko, bei der das Risiko zum Zeitpunkt des Unfalls lag. Das bedeutet nicht automatisch, dass die Versicherung greift — das hängt vom Versicherungsvertrag ab.
Kann ich Incoterms frei verhandeln oder gibt es Vorschriften?
Incoterms sind keine gesetzliche Vorschrift, sondern ein freiwilliges Standardwerk. Sie können jeden Incoterm frei wählen und auch davon abweichende Regelungen treffen — allerdings müssen diese explizit im Vertrag festgehalten werden. Die Nutzung von Incoterms ohne Abweichungen ist jedoch der einfachste Weg zu klaren Vertragsverhältnissen.
Wie kontaktiere ich ATS Trading für ein Angebot mit spezifischem Incoterm?
ATS Trading GmbH, Weberstraße 10, 85077 Manching. E-Mail: info@atstrading.de, Telefon: 01575/3264931. Wir beraten Sie gerne zu Lieferbedingungen und erstellen individuelle Angebote für EU- und Drittland-Exporte.
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