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Der Digitale Produktpass gilt schrittweise für nahezu alle physischen Produkte, die in der EU in Verkehr gebracht werden — mit Priorität auf energierelevante, ressourcenintensive und abfallträchtige Kategorien. Die Grundlage ist die ESPR-Verordnung (EU) 2024/1781, in Kraft seit 18. Juli 2024. Konkret: Ab 2026 beginnt der Rollout mit Eisen- und Stahlprodukten, ab Februar 2027 mit Batterien über 2 kWh. Für Elektronik ist 2027 der geplante Pflichtzeitpunkt, für Textilien Ende 2028, für Möbel 2028. Laut EU-Kommission 2024 sollen bis 2030 über 30 Produktgruppen den DPP tragen — das entspricht mehr als 70 % aller in der EU gehandelten Konsumgüter. Nicht erfasst sind Militärgüter, Medizinprodukte mit eigener Regulierung und bestimmte Kleinstmengen. Für Importeure und Händler ist die Frage „Für welche Produkte gilt der DPP?“ daher existenziell wichtig: Sie bestimmt Compliance-Fristen, Einkaufsstrategien und Lieferantenanforderungen. ATS Trading GmbH begleitet B2B-Kunden durch den DPP-Übergang im Groß- und Retourenhandel.
Die folgende Tabelle enthält alle bekannten Produktkategorien, für die der DPP eingeführt wird oder geplant ist (Stand: Frühjahr 2026, basierend auf ESPR-Arbeitsprogrammen der EU-Kommission):
| Produktkategorie | DPP Pflicht? | Ab wann? | Delegierter Akt | Für wen? |
|---|---|---|---|---|
| Eisen & Stahl (Walzstahl, Bauprofile) | Ja | 2026 | Verabschiedet | Hersteller, Importeure |
| Batterien >2 kWh (Industrie, EV, Speicher) | Ja | Feb. 2027 | Batteriepass-VO (EU) 2023/1542 | Hersteller, Importeure |
| Smartphones, Tablets | Ja | 2027 | In Vorbereitung | Hersteller, Importeure, Händler |
| Laptops, Computer | Ja | 2027 | In Vorbereitung | Hersteller, Importeure, Händler |
| Fernseher, Monitore | Ja | 2027 | In Vorbereitung | Hersteller, Importeure |
| Waschmaschinen, Trockner | Ja | 2027–2028 | Energielabel-Integration | Alle Lieferketten-Akteure |
| Kühlschränke, Gefriergeräte | Ja | 2027–2028 | Energielabel-Integration | Alle Lieferketten-Akteure |
| Geschirrspüler | Ja | 2027–2028 | Energielabel-Integration | Alle Lieferketten-Akteure |
| Klimaanlagen, Wärmepumpen | Ja | 2027–2028 | In Vorbereitung | Hersteller, Importeure |
| Bekleidung & Mode | Ja | 2028/2029 | Erwartet Q2 2027 | Alle Lieferketten-Akteure |
| Heimtextilien (Bettwäsche, Handtücher) | Ja | 2028/2029 | Erwartet Q2 2027 | Alle Lieferketten-Akteure |
| Möbel (Stühle, Tische, Schränke) | Ja | 2028 | In Vorbereitung | Hersteller, Importeure |
| Matratzen | Ja | 2028 | In Vorbereitung | Hersteller, Importeure |
| Schmierstoffe & Chemikalien | Ja | 2028–2029 | REACH-Integration | Hersteller |
| Farben & Lacke | Ja | 2028–2029 | In Vorbereitung | Hersteller |
| Baustoffe (Beton, Ziegel, Dämmstoffe) | Ja | 2029–2030 | Bauprodukte-VO Integration | Hersteller, Importeure |
| Verpackungen (Mehrweg) | Ja | 2030 | PPWR-Verordnung | Alle Handel-Akteure |
| Photovoltaik-Module | Ja | 2027–2028 | In Vorbereitung | Hersteller, Importeure |
| Windkraftkomponenten | Ja | 2028–2029 | In Vorbereitung | Hersteller |
| Schuhe & Lederwaren | Geplant | 2029–2030 | Noch offen | TBD |
| Spielzeug | Geplant | 2029–2030 | Noch offen | TBD |
| Kosmetik & Körperpflege | Geplant | 2030+ | Noch offen | TBD |
| Militärgüter | Nein (ausgenommen) | — | — | — |
| Medizinprodukte (Klasse III) | Nein (eigene VO) | — | MDR/IVDR | — |
| Lebensmittel | Nein | — | — | — |
| Kraftfahrzeuge | Teilweise (EV-Batterie) | Ab Feb. 2027 | Batteriepass | Hersteller |
| Handgemachte Einzelstücke | Ausgenommen | — | — | — |
Eisen- und Stahlprodukte sind die erste Produktkategorie, die unter den DPP fällt. Konkret betroffen sind Warmgewalzter Stahl, Kaltgewalzter Stahl, Stahlrohre, Bauprofile, Träger und Bleche. Die Daten im Stahl-DPP umfassen: Stahlgüte, Recyclinganteil (in der EU-Stahlindustrie liegt er laut Worldsteel 2025 bei durchschnittlich 44 %), CO₂-Fußabdruck (je nach Herstellungsprozess zwischen 0,5 und 2,6 t CO₂ pro Tonne Stahl), Legierungsbestandteile und Entsorgungsanleitung.
Für Unternehmen im Maschinenbau, Bauwesen und Metallhandel ist 2026 der entscheidende Stichtag.
Der Batteriepass nach Verordnung (EU) 2023/1542 ist der erste vollständig ausgearbeitete und verabschiedete Produktpass der EU. Er gilt ab Februar 2027 für alle Industriebatterien (>2 kWh), EV-Batterien und stationäre Speicherbatterien. Der Batteriepass enthält: CO₂-Fußabdruck der Zellproduktion, Anteil recycelter Rohstoffe (Kobalt, Lithium, Nickel, Blei), State of Health (Gesundheitszustand der Batterie), Reparaturanleitung und den Namen des verantwortlichen Wirtschaftsakteurs.
Für Händler von E-Bikes, Elektrowerkzeugen und Elektrofahrzeugen: Der Batteriepass ist ab Februar 2027 Pflicht — ohne Ausnahme und ohne Verlängerung für KMU.
Elektronikprodukte sind laut ESPR-Arbeitsprogramm 2025 eine der Prioritätskategorien mit der höchsten Dringlichkeit. Smartphone-Hersteller sind mit dem DPP besonders gefordert, da Smartphones zu den ressourcenintensivsten und abfallreichsten Konsumgütern zählen.
Für den Retourenhandel mit Elektronik ist das besonders relevant: Laut GfK 2025 werden in Deutschland jährlich über 12 Millionen Elektroartikel als Retoure zurückgesendet. Ab 2027 müssen diese Retouren — wenn sie nach dem Pflichttermin produziert wurden — einen DPP mitführen.
Mehr dazu: Digitaler Produktpass Elektronik 2027
Haushaltsgeräte (Home Appliances) sind als energierelevante Produkte mit Doppelregulierung konfrontiert: Das bestehende Energielabel und der neue DPP werden ab 2027–2028 miteinander verknüpft.
Betroffene Kategorien:
Laut EHI Retail Institute 2025 sind Waschmaschinen, Kühlschränke und Trockner die drei häufigsten Gebrauchtwaren-Kategorien im deutschen B2B-Großhandel. Ab dem DPP-Pflichttermin müssen Händler dieser Waren sicherstellen, dass der DPP am Produkt vorhanden und abrufbar ist.
Mehr dazu: Digitaler Produktpass Haushaltsgeräte 2027/2028
Der Textil-DPP ist einer der größten Compliance-Schritte in der Modebranche. Der delegierte Rechtsakt wird in Q2 2027 erwartet, die Compliance-Pflicht greift nach 18 Monaten Übergangsfrist — also voraussichtlich Ende 2028 oder Anfang 2029.
Betroffene Textilkategorien:
Der Textil-DPP muss enthalten: Faserzusammensetzung (Baumwolle, Polyester, Wolle, etc.) mit Mengenangaben, Herkunftsland der Fasern und Verarbeitung, Verwendete Chemikalien (REACH-Liste), Wasserverbrauch, Zertifizierungen (GOTS, Oeko-Tex Standard 100, Fair Trade), Pflegeanleitung und Recyclinghinweise.
Mehr dazu: Digitaler Produktpass Textilien 2027
Nicht alle Produkte werden DPP-pflichtig. Folgende Kategorien sind ganz oder teilweise ausgenommen:
Vollständig ausgenommen:
Eigene Regulierung (kein DPP nach ESPR, aber eigene Passportpflichten):
Vereinfachte Anforderungen für KMU:
Digitaler Produktpass Beispiel — Waschmaschine:
Ein chinesischer Hersteller importiert Waschmaschinen in die EU. Ab 2027/2028 muss jede Waschmaschine über einen QR-Code verfügen, der auf folgende DPP-Daten verweist:
Dieses Beispiel zeigt: Der DPP ist kein kurzes Dokument, sondern ein umfangreiches Datenprofil, das die gesamte Produktgeschichte abbildet.
Gilt der Digitale Produktpass für gebrauchte Produkte?
Der Digitale Produktpass gilt grundsätzlich für alle Produkte, die nach dem Pflichttermin für ihre Kategorie neu in Verkehr gebracht werden — unabhängig davon, ob sie danach als Neuware, B-Ware oder Gebrauchtware weiterverkauft werden. Für Produkte, die bereits vor dem Pflichttermin in Verkehr gebracht wurden, besteht Bestandsschutz: Sie dürfen ohne DPP weitergehandelt werden. Für Reparaturbetriebe gibt es eine Sonderregelung: Sie können und sollen die Reparaturhistorie in bestehende DPPs eintragen. Das wertet gebrauchte Produkte mit vollständigem DPP erheblich auf. ATS Trading GmbH ist auf den Ankauf solcher Waren spezialisiert.
Gilt der DPP für Produkte, die außerhalb der EU verkauft werden?
Nein. Der Digitale Produktpass ist eine EU-Marktregulierung und gilt nur für Produkte, die in der EU in Verkehr gebracht werden. Waren, die ausschließlich für den Export in Drittländer bestimmt sind, benötigen keinen DPP. Allerdings: Sobald eine Ware in die EU importiert wird oder hier in Verkehr gebracht wird, greift der DPP — unabhängig davon, wo das Produkt hergestellt wurde.
Muss der DPP physisch am Produkt angebracht sein?
Der DPP selbst ist ein digitales Dokument — er muss nicht physisch am Produkt sein. Was physisch vorhanden sein muss, ist ein Datenträger (QR-Code, RFID, NFC, Data Matrix), der auf den digitalen Pass verweist. Dieser Datenträger muss direkt am Produkt, an der Verpackung oder am Begleitdokument angebracht sein und darf nicht leicht entfernbar sein. Die genauen Anforderungen an Anbringung und Haltbarkeit des Datenträgers werden in den delegierten Rechtsakten für jede Kategorie festgelegt.
Welche Produkte im Retourenhandel sind als Erstes betroffen?
Im Retourenhandel sind Elektronikartikel (Smartphones, Tablets, Laptops) und Haushaltsgeräte als Erste betroffen — Pflicht ab 2027. Das sind gleichzeitig die häufigsten Retourenkategorien im deutschen B2B-Großhandel. Laut Forschungsinstitut Retourenforschung 2025 machen Elektronik und Haushaltsgeräte zusammen über 40 % aller B2B-Retouren aus. Ab 2027 müssen Retourenhändler für diese Kategorien prüfen, ob eingekaufte Ware einen gültigen DPP mitführt — und diesen in ihrer Dokumentation festhalten.
Werden für alle Produkte die gleichen DPP-Daten verlangt?
Nein. Die konkreten Datenanforderungen werden produktspezifisch in den delegierten Rechtsakten festgelegt. Ein Textil-DPP sieht anders aus als ein Elektronik-DPP oder ein Batterie-Pass. Gemeinsam ist allen DPPs: Sie müssen maschinenlesbar sein, über einen Datenträger am Produkt abrufbar sein, und die grundlegenden Produktidentifikationsdaten sowie Umweltinformationen enthalten. Die Detailtiefe variiert stark: Der Batteriepass hat bereits konkret definierte Pflichtfelder, während der Textil-DPP noch in Abstimmung ist.
Die Liste der DPP-pflichtigen Produkte wächst bis 2030 auf über 30 Kategorien an. Für Händler, Importeure und Großhändler bedeutet das: Die Frage „Für welche Produkte gilt der DPP?“ ist keine einmalige Recherche, sondern ein fortlaufender Compliance-Prozess.
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